Österreichs Bundesforste erleben historische Schadholzkrise, sind aber für die Zukunft gewappnet

Hohes Schadholzaufkommen setzt dem Wald und dem Holzmarkt in Österreich zu. Die zusätzlichen Kosten resultierend aus dem Klimawandel
haben sich in den letzten drei Jahren verdreifacht. Keine einfachen Zeiten für die Österreichischen Bundesforste AG (ÖBf) . Das wirtschaftliche Ergebnis kann sich dennoch sehen lassen. Und der Waldumbau zu klimafitten, artenreichen Mischwäldern schreitet voran.

Klima, Schadholz und Corona: Rekordtemperaturen, Schneemassen und extreme Trockenperioden haben das Waldjahr 2019 bestimmt und erneut zu zahlreichen Schadereignissen geführt. Dennoch konnte die Österreichische Bundesforste AG (ÖBf AG) das Geschäftsjahr 2019 mit einem positiven Ergebnis abschließen. Die Betriebsleistung ging auf 222,4 Mio. Euro zurück (2018: 238,0 Mio.), der Gewinn vor Steuern (EBT) sank auf 13,4 Mio. Euro (2018: 26,4 Mio.), das EBITDA auf 24,4 Mio. Euro (2018: 39,7 Mio.). Die nachhaltige Holzerntemenge wurde mit 1,461 Mio. Erntefestmetern (Efm) trotz starker Marktverwerfungen und des erhöhten
Schadholzanteils eingehalten.

„2019 war für die Bundesforste ein mehr als durchwachsenes Waldjahr. Es war so stark wie nie zuvor von den massiven wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels geprägt“, resümiert Rudolf Freidhager, Vorstandssprecher und Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz, anlässlich der Bilanz-Präsentation. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Klimawandelkosten von 23,6 Mio. um fast das Doppelte auf 42,1 Mio. Euro. „Innerhalb der letzten drei Jahre haben sich die Kosten, die indirekt oder direkt mit dem Klimawandel zusammenhängen, sogar verdreifacht“, so Freidhager. Die extrem hohe Schadholzmenge in ganz Mitteleuropa hat den bereits sehr angespannten Holzmarkt weiter belastet und Spuren in der Bilanz hinterlassen.

„Der europäische Holzmarkt wird seit letztem Jahr von einer beispiellosen Schadholzschwemme beherrscht. Durch die aktuelle Corona-Krise wird die Situation weiter verschärft“, berichtet Freidhager. „Wir kämpfen nicht nur an der Front des Klimawandels, sondern nun auch an jener der wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid19-Krise.“ Vor dem Hintergrund dieser historischen Herausforderungen und der forstlich schwierigen Lage werden der weitere Ausbau der nicht-forstlichen Geschäftsbereiche und die Fortsetzung des erfolgreichen Investitionsprogramms immer wichtiger.

Investitionen und Diversifizierung sichern Ertragskraft
„Gerade in schwierigen Zeiten bewährt sich unsere Strategie der Diversifizierung“, so Georg Schöppl, Vorstand für Finanzen und Immobilien. In den vergangenen Jahren wurden neben dem Bereich Forst/Holz erfolgreich weitere Geschäftsbereiche auf- und ausgebaut, um das Unternehmen langfristig abzusichern und resilienter gegenüber Klima- und Marktkapriolen zu machen. „Unser Kerngeschäft bleibt weiterhin der Bereich Forst/Holz. Doch der Anteil der nicht-forstlichen Bereiche an der Gesamtbetriebsleistung ist stetig am Wachsen und liegt aktuell bei 45 %, 2018 waren es noch 42 %“, fasst Schöppl zusammen.

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen wird auch weiterhin der Fokus auf Ausbau und Investitionen in die nicht-forstlichen Bereiche liegen mit dem Ziel, die Ertragskraft langfristig abzusichern. Rund 17,5 Mio. Euro wurden 2019 in die Entwicklung von Immobilien und Liegenschaften sowie den Ausbau erneuerbarer Energien (allen voran Wind- und Wasserkraft) investiert. „Für 2020 sind weitere 26,0 Mio. Euro an Investitionen geplant“, sagt Schöppl, „neben Immobilien etwa auch für die Errichtung des neuen Kleinwasserkraftwerks Langer Grund in Tirol.“ Letzteres erhält Investitionen von rund 10 Mio. Euro. Der Großteil der Investitionen in Erneuerbare Energie werde in Wind- und Wasserkraftanlagen fließen, sagt Schöppl.

Waldumbau und Waldpflege haben weiterhin höchste Priorität
„Wir brauchen heute, Auge in Auge mit der Klimakrise, gesunde und vitale Wälder mehr denn je zuvor. Waldpflege und der Waldumbau in klimafitte Wälder sind das Gebot der Stunde. 2019 haben wir erneut 12,3 Mio. Euro in Waldpflege und Waldumbau investiert“, weist Freidhager auf die Bedeutung intakter Wälder hin. Um die Wälder an den Klimawandel anzupassen, wurden für alle 120 Forstreviere neue Waldkonzepte erstellt –
Planungshorizont 2100/2150. Ziel sind artenreiche und klimafitte Mischwälder, die stabiler gegen Umwelteinflüsse, resilienter als Monokulturen und weniger anfällig für Schädlinge sind.

„Dabei setzen wir stark auf Naturverjüngung. Wir fördern gezielt Bäume, die von Natur aus nachwachsen, da diese bessere Standorteigenschaften mitbringen und sich als widerstandsfähiger erwiesen haben. Das Waldbild wird sich verändern, der Wald der Zukunft wird ein bunter, facettenreicher Mischwald sein“, erläutert Freidhager. Vor allem Tannen und Lärchen, als Alternative zur Fichte, aber auch Eichen in niederen Lagen werden stärker in unsere Wälder zurückkehren.

Insgesamt werden die Österreichischen Bundesforste bis 2025 rund 100 Millionen Euro in den Waldumbau und die Waldpflege investieren. Auch der Erhalt der Schutzwälder, deren Bedeutung mit dem häufigeren Auftreten von Wetterextremen zunimmt, spielt eine wichtige Rolle. „Haben die Bundesforste im Geschäftsjahr 2018 rund 2,2 Mio. Euro mehr als vom Forstgesetz vorgeschrieben für Schutzwälder aufgewendet, waren es 2019 bereits 5,3 Mio. Euro mehr“, erläutert Rudolf Freidhager.

Der Vorstand der ÖBf ist dankbar für die Unterstützung der Eigentümerin Republik Österreich, so Freidhager. Als Wunsch an die Bundesregierung nennt er: „Wir haben nur einen Wunsch: Dass das Pariser Abkommen eingehalten wird“, so Freidhager.

Ausbau des Geschäftsbereichs Erneuerbare Energie läuft plangemäß
„Der Ausbau des jüngsten Geschäftsbereichs, Erneuerbare Energie, entwickelte sich 2019 plangemäß und trug bereits deutlich zum Konzerngewinn bei. Nicht zuletzt seit der Inbetriebnahme des Windparks Pretul vor zwei Jahren leistet der Bereich Erneuerbare Energie einen stetig wachsenden Beitrag zum Gesamtergebnis“, resümiert Schöppl. Die Betriebsleistung lag 2019 bei 14,6 Mio. Euro (2018: 16,5 Mio.). Aufgrund der hohen Schneemengen Anfang 2019 war das Wasserdargebot für die Kleinwasserkraftwerke bis in den Frühling hinein erfreulich und auch in der Windenergie konnte das Produktionsziel wieder erreicht werden.

Ein Rumpfjahr musste das Biomasseheizkraftwerk Wien-Simmering verzeichnen, das nach Auslaufen des alten Förderregimes vorübergehend außer Betrieb war, bevor es mit der Nachfolgeregelung Anfang des Jahres die Energieproduktion wieder aufnehmen konnte. Aktuell haben die Bundesforste zehn Kraftwerke in Betrieb: acht Kleinwasserkraftwerke, ein Windkraftwerk und das Waldbiomassekraftwerk Wien-Simmering gemeinsam mit Wien Energie. Es werden versorgt rund 80.000 Haushalte mit Strom und rund 17.000 Haushalte mit Wärme versorgt.

„In den nächsten Jahren werden wir diesen Sektor weiter ausbauen und unseren Beitrag zur Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen leisten. Ziel ist es, bis 2025 die Energieproduktion aus Strom, Wind und Wasser auf 400 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr zu steigern“, so Schöppl. Ein neuntes Kleinwasserkraftwerk steht mit geplantem Baubeginn im Sommer 2020 in Tirol kurz vor der Errichtung. Für den Windpark Pretul (Steiermark) ist eine Erweiterung um vier Windräder geplant, die bereits genehmigt wurden. Baubeginn ist 2021.

Corona-Krise verschärft Situation am Holzmarkt
„2020 wurde die Situation am Holzmarkt durch die Corona-Krise weiter verschärft, es wird auch für uns ein historisch herausforderndes Jahr werden“, so Rudolf Freidhager. Die Absatz- und Exportmärkte sind stark eingebrochen. „Binnen weniger Tage ist der Holzmarkt aus den Fugen geraten, der Absatz hat sich halbiert und der Holzpreis ist noch stärker unter Druck geraten“, erklärt Freidhager. Der unterbrochene Holzfluss, vor allem nach Italien, stellt die Forstbetriebe vor massive Herausforderungen, da rund 40 % des in Österreich erzeugten Schnittholzes nach Italien exportiert werden. „Wir mussten rasch reagieren, die Holzproduktion wurde stark gedrosselt und die Erntemengen an die neuen Marktgegebenheiten angepasst“, berichtet Freidhager. Bewährt hat sich dabei, dass die Bundesforste seit einigen Jahren schon stark auf Digitalisierung und schlanke Strukturen setzen. Gleichzeitig galt es, die Aufarbeitung von Schadholz trotz schwieriger Rahmenbedingungen fortzusetzen, da nicht zuletzt aufgrund des warmen und trockenen Frühjahrs der Käferflug bereits in vollem Gange war.

„Die Folgen der Corona-Krise sind derzeit noch nicht absehbar. Auf Kurzarbeit und staatliche Unterstützung haben wir verzichtet. Vielmehr versuchen wir, die Krise aus eigener Kraft zu stemmen und auf Kurs zu bleiben“, so Freidhager.

Ausblick ÖBf für 2020
„2020 wird voraussichtlich das schwierigste Jahr in der Geschichte werden, nicht zuletzt, weil zusätzlich zur Covid19-Krise auch die Situation am Holzmarkt unverändert angespannt bleiben wird“, erklärt der ÖBf-Vorstand. „Durch das warme und trockene Frühjahr ist mit weiterem Käfer- und Schadholz zu rechnen. Aufgrund des Überangebots trifft der Schadholzstrom heute jedoch auf einen „toten Markt“. Trotz hoher Lagerkapazitäten ist Holz letztlich eine verderbliche Ware, und viel zu kostbar, um nach Jahrzehnten des Heranwachsens unter seinem Wert auf den Markt gebracht zu werden“, so Freidhager. „Umso wichtiger ist es, den Blick nach vorne zu richten und ein Fundament für die Zukunft zu bauen.“

Allem voran bedeutet das, in den nächsten, mitunter schwieriger werdenden Jahren den Ausbau der nicht-forstlichen Geschäftsbereiche – allen voran Immobilien und Erneuerbare Energie – und das Investitionsprogramm fortzusetzen. „Im Wald hingegen werden wir verstärkt auf Vorrats- und Wertaufbau setzen, unsere Wälder pflegen, dem Klimawandel anpassen und den Waldumbau mit aller Konsequenz vorantreiben. Dieser ist in Zeiten des Klimawandels alternativlos – denn gegen den Klimawandel gibt es keine Impfung“, so Rudolf Freidhager abschließend.

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