Flächendeckendes Parkpickerl: Meilenstein für die Klimamusterstadt

Schluss mit Fleckerlteppich – ab 1. März 2022 gelten einfache, einheitliche Park-Regelungen in der gesamten Bundeshauptstadt. Mit der Ausweitung der Kurzparkzone auf ganz Wien erhalten alle Bezirke ein flächendeckendes Parkpickerl. Die Kurzparkzonen werden angeglichen und gelten Wien-weit Montag bis Freitag von 9 bis 22 Uhr: Für alle Wienerinnen und Wiener kostet das Parkpickerl ab März 10 Euro pro Monat. Die Einnahmen fließen in den weiteren Ausbau der Öffis. Wie die Erfahrungen aus den bisherigen 18 Wiener Parkpickerlbezirken zeigen, bringt die flächendeckende Parkraumbewirtschaftung mehr freie Parkplätze für die Wienerinnen und Wiener, weniger Verkehr, mehr Lebensqualität und mehr Klimaschutz für die Millionenstadt.

„Ich freue mich, dass es uns in enger Zusammenarbeit mit den Bezirken und dem Koalitionspartner gelungen ist, diese historische Einigung auf den Weg zu bringen. Viele Menschen – besonders in den von den täglich rund 200.000 PendlerInnen zugeparkten Außenbezirken – wünschen sich seit Jahren eine Lösung. Mit dem flächendeckenden Parkpickerl sorgen wir nicht nur für die lang geforderte Entlastung der Bewohnerinnen und Bewohner, sondern gehen auch den Wiener Weg in Sachen Klimaschutz konsequent weiter. Dieser Meilenstein für die Klimamusterstadt Wien ist ein wirksames Instrument, um den Verkehr in unserer Stadt zu beruhigen und die Öffi-Nutzung weiter anzukurbeln“, so Mobilitätsstadträtin Ulli Sima, die die Einigung heute gemeinsam mit NEOS-Klubobfrau Bettina Emmerling und den Bezirksvorstehern aus der Donaustadt, Floridsdorf, Liesing und Simmering präsentiert hat. In den betroffenen Bezirken wurden Verkehrsuntersuchungen gemacht, die die dramatische Entwicklung belegen. Basierend darauf wurden die entsprechenden Beschlüsse für das flächendeckende Parkpickerl in den Bezirken gefällt.

Ende des Fleckerlteppichs: Einheitliche Regelung in ganz Wien.
Wie im rot-pinken Regierungsprogramm fixiert, kommt mit 1. März 2022 die einheitliche Parkregelung in allen Bezirken. Der aktuelle „Fleckerlteppich“ gehört dann endgültig der Vergangenheit an, das Pickerl gilt im gesamten Stadtgebiet mit wenigen Ausnahmen in unbewohnten Wald- und Industriegebieten.

Die Pickerl-Fläche wird nächstes Jahr auf einen Schlag verdoppelt – dies ist die größte Ausweitung in der Geschichte der Wiener Parkraumbewirtschaftung.

Für NEOS-Klubobfrau Bettina Emmerling ist der Schritt ein Meilenstein für den Klimaschutz: „Die Ausweitung des Parkpickerls auf alle Bezirke ist ein wichtiger Schritt für die Verkehrsberuhigung und den Klimaschutz in unserer Stadt. Jahrelang wurde über die perfekte Lösung diskutiert, ohne dass etwas passiert ist. Natürlich gehen die Vorstellungen manchmal weit auseinander – wichtig ist, dass wir jetzt handeln und diese große Lösung umsetzen. Dabei werden wir Bevölkerung und Bezirke mitnehmen. Der wichtige erste Schritt ist gesetzt.“

So geht Klimaschutz: Parkpickerl und Öffi-Ausbau gehen Hand in Hand.
Rund 200.000 PendlerInnen kommen täglich mit ihrem PKW in die Bundeshauptstadt, viele stellen ihr Auto kostenlos in den noch Parkpickerl-freien Bezirken ab. Untersuchungen zeigen, dass nach Einführung des Parkpickerls der Autoverkehr in den betroffenen Bezirken stark zurückgegangen ist und öffentliche Verkehrsmittel verstärkt genutzt wurden. Alleine im Westen Wiens wurden nach der Einführung des Pickerls rund 8.000 PKW-Fahrten pro Werktag weniger verzeichnet.

„Verkehrsreduktion und Verkehrsberuhigung gehen mit einem weiteren Ausbau des öffentlichen Verkehrs einher. Wir haben in Wien dank nachhaltiger Investitionen das weltweit beste Öffi-Netz zum besten Preis. Die nun beschlossene Parkraumbewirtschaftung ist hierfür nochmals ein zusätzlicher Boost, die Einnahmen der Parkpickerl fließen direkt in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs – unter anderem in die neue U-Bahn U2/U5, dem größten Klimaschutzprojekt der Stadt. Auch in neue Straßenbahnlinien in den Flächenbezirken wie beispielsweise in der Donaustadt mit der Linie 27, die künftig den 22. Bezirk mit Floridsdorf verbindet, wird investiert,“ so Stadträtin Sima.

Auch der Bau von bundesländerübergreifenden Öffis ist ein zentraler Ansatz der Stadt, um klimafreundliches Pendeln zu fördern. Aktuell werden etliche Projekte geprüft: „Klar ist, dass es für Öffis über die Stadtgrenzen hinaus die Mitfinanzierung von Bund und den Bundesländern braucht. Die Pendlerinnen und Pendler benötigen ein attraktives Angebot und die Wienerinnen und Wiener eine Entlastung“, stellt Sima klar. 87 % der Wienerinnen und Wiener begrüßen übrigens die Idee, die Öffis in die Wiener Umlandgemeinden wie etwa nach Schwechat zu verlängern.

Mobilitätswende in Wien: Wienerinnen und Wiener zu über 70 % mit Öffis, Rad oder zu Fuß unterwegs.
Während die PendlerInnen zu 2/3 mit dem Auto unterwegs sind, ist das Verhältnis bei den WienerInnen genau umgekehrt: Sie sind nur zu 1/3 mit dem PKW unterwegs und zu 2/3 mit Öffis, zu Fuß oder dem Rad. Auch gibt es in Wien mehr JahreskartenbesitzerInnen als zugelassene PKWs. Die Zahl der autofreien Haushalte ist in den vergangenen zehn Jahren um 25 Prozent gestiegen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Gleichzeitig ist der Anteil der Haushalte mit einer Öffi-Jahreskarte von 40 Prozent auf zuletzt 52 Prozent gestiegen.
Domino-Effekt nach Einführung in Simmering auf ganz Wien verhindern.
Der aktuellen Einigung für das flächendeckende Parkpickerl ist ein Vorstoß aus Simmering vorausgegangen: Bezirksvorsteher Thomas Steinhart hat aufgrund der vielen Beschwerden aus der Bevölkerung auf die rasche Umsetzung des flächendeckenden Pickerls in seinem Bezirk gedrängt. Dort gilt bekanntlich nur in einem Teil das Parkpickerl. Es wurde vom ehemaligen FPÖ-Bezirksvorsteher eingeführt und hat große Unzufriedenheit bei den Simmeringerinnen und Simmeringern hervorgerufen, da es einen starken Verdrängungs-Effekt auf den pickerlfreien Bezirksteil gab. „Es zeigt sich klar, dass es Null Sinn macht, nur in einigen Gebieten das Pickerl einzuführen. Denn die Parkplatzsuche wurde quasi über Nacht in weiten Bereichen einfach ein Albtraum,“ so Steinhart. „Viele Bürgerinnen und Bürger drängen auf – die schon im Sommer 2020 beschlossene – Ausweitung auf den ganzen Bezirk. Der Verdrängungseffekt ist für die nicht vom Parkpickerl erfassten Bereiche im Bezirk unerträglich, es parken zudem viele Autos mit nicht Wiener Kennzeichen in den pickerlfreien Zonen Simmering.“ Untersuchungen zeigen, dass in den Bereichen, wo das Pickerl schon gilt, nur noch 7 % der parkenden PKWs vormittags kein Wiener Kennzeichen haben.
Parkplatz-Kollaps in Liesing vermeiden.
Der Plan Simmerings hat natürlich massive Auswirkung auf Liesing, wo ein klarer Domino-Effekt zu erwarten wäre. Daher hat Liesings Bezirksvorsteher Gerald Bischof zeitgerecht die Weichen gestellt, viele Gespräche im Bezirk geführt und in der Folge das Projekt in der Liesinger Verkehrskommission abgestimmt.

„Untersuchungen zeigen, dass in großen Teilen Liesings bis zu 61 % der parkenden Autos kein Wiener Kennzeichen haben, der Bezirk wird also extrem stark von EinpendlerInnen genützt. Es ist daher nur logisch, auch in Liesing Parkraummanagement einzuführen. Ich bedanke mich bei den Fraktionen in der Bezirksvertretung für die gute Zusammenarbeit für Liesing, wo diese Lösung sicher mehr Lebensqualität, weniger Verkehr und mehr Platz für alle bringt“, so Bischof.

Auch Hietzing braucht ein Parkpickerl.
Ähnliche Effekte sind auch für den Liesinger Nachbarbezirk Hietzing zu erwarten. Dort gibt es ebenfalls entlang der U4-Stationen bereits heute enorme Kapazitätsengpässe. In Teilbereichen gibt es Auslastungswerte von über 90 %, teilweise über 100 %. Je nach Gebiet finden sich im 13. Bezirk über 30 % an Nicht-Wiener-Kennzeichen auf den Parkplätzen. Auch Hietzing hat angekündigt, das Parkpickerl einzuführen.
Dramatische Auswirkungen auf Floridsdorf und die Donaustadt verhindern.
Die Einführung des Pickerls in Simmering, Liesing und Hietzing hat natürlich auch massive Auswirkungen auf die großen Flächenbezirke jenseits der Donau, also die Donaustadt und Floridsdorf.

In Floridsdorf gibt es bereits jetzt in weiten Teilen ein Problem mit Überparkung. Eine Verkehrs-Untersuchung hat gezeigt, dass insbesondere im U-Bahn-Bereich große Parkplatznot herrscht. Dort sind die Stellplätze durchgehend zu 90 % oder sogar 100 % ausgelastet – in manchen Zonen zu einem Drittel von Autos ohne Wiener Kennzeichen, also vieler Pendlerinnen und Pendler. Mit der Einführung des Pickerls in den restlichen Bezirken käme Floridsdorf massiv unter Druck: Nach Berechnungen würden alleine aus der Donaustadt über 15.000 zusätzliche Autos kommen, die dann im ohnehin schon überlasteten Floridsdorf einen Parkplatz suchen werden.

„Wir wollen keinesfalls der Parkplatz Wiens werden, wir wollen Lebensqualität für die Floridsdorferinnen und Floridsdorfer und daher ist es nur logisch, im Gleichklang mit den anderen Bezirken im nächsten Jahr das Pickerl einzuführen“, so der Floridsdorfer Bezirksvorsteher Georg Papai.

Ähnliche, dramatische Prognosen gibt es für die Donaustadt: Dort liegt die Parkplatz-Auslastung entlang der Öffis schon heute bei über 80 %, in Teilbereichen bei 90 oder sogar über 100 %. Bis zu 49 %, also rund die Hälfte – der Autos tragen kein Wiener Kennzeichen. Für den Fall, dass die Donaustadt als einziger Bezirk kein Pickerl einführen würde, prognostizieren die Verkehrsplaner ein Plus zwischen 14.000 und 16.000 PKWs täglich in der Donaustadt. „Auch in den Gebieten, wo es in unserem Bezirk aktuell noch kein Parkplatzproblem gibt, würde es dann rasch dramatisch werden, weil die Verdrängung aus den anderen Bezirken enorm wäre. Daher ist es nur logisch, das Pickerl flächendeckend in der ganzen Donaustadt einzuführen“, so Ernst Nevrivy. In beiden Bezirken jenseits der Donau gibt es daher entsprechende Beschlüsse.

Einheitliches Parkpickerl: Vorteile für Mensch und Umwelt.
Die positiven Effekte der Parkraumbewirtschaftung sind aufgrund der bisherigen zahlreichen Erweiterungen der letzten Jahre gut messbar.

  • Evident ist eine Reduktion der Auslastung der Parkplätze von bis zu 30 % und
  • vor allem ein massiver Rückgang von Autos mit Nicht-Wiener Kennzeichen.
  • Die Zeit zur Parkplatzsuche nimmt damit enorm ab.
  • In Bezirken mit Parkpickerl gingen die Autofahrten merkbar zurück, alleine im Westen wurden rund 8.000 PKW-Fahrten pro Werktag weniger verzeichnet.
  • Auch das Falschparken nahm nach Einführung des Parkpickerls ab –
  • um über zwei Drittel, was wiederum den Verkehrsfluss erhöht und auch die Öffis deutlich weniger behindert.
  • Penderlnnen steigen vermehrt auf die Öffis um
  • Die Akzeptanz der Parkraumbewirtschaftung stieg in allen Bezirken nach der Einführung enorm. Die Mehrheit der BewohnerInnen in Parkpickerl-Bezirken steht voll und ganz hinter dem Modell.
  • Mit den Einnahmen der Parkraumbewirtschaftung wird der weitere Ausbau der Öffis in der Klimamusterstadt finanziert
  • Weniger Verkehr, weniger Lärm, mehr Verkehrssicherheit und mehr Klimaschutz:
  • Das Parkpickerl ist ein zentraler Beitrag zu Wiens hoher Lebensqualität

Ein Garant für weniger Grant: Breite Info-Kampagne der Stadt Wien.
Ab sofort wird es Informationsoffensiven vor allem in den neuen Parkpickerlbezirken geben, um die BewohnerInnen über die Neuerungen zu informieren und volles Service bei der Beantragung ihres Pickerls zu bieten. „Luft schnappen satt überschnappen“, „Weniger suchen, weniger fluchen“ und „Ein Garant für weniger Grant“ – mit Augenzwinkern wird auf die Vorteile des Parkpickerls hingewiesen. Auch in Hörfunkspots und auf den Social Media-Kanälen wird breit informiert.

Auf parken.wien.gv.at und an der Infoline_Strasse-Verkehr@wien-info.at oder unter +43 1 955 59, täglich von 7 bis 18 Uhr gibt alle Informationen rund ums Pickerl.

Die Neuerungen ab 1. März 2022 auf einen Blick:

  • Schluss mit Fleckerlteppich: Ab 1. März 2022 kommt ein einheitliches Parksystem für ganz Wien. Das bedeutet: Parkpickerl und Kurzparkzonen in jedem Bezirk.
  • Fünf Bezirke bekommen erstmals flächendeckendes Pickerl: In den Bezirken 13, 21, 22, 23 wird das flächendeckende Parkpickerl neu eingeführt, in Simmering wird es auf den ganzen Bezirk ausgeweitet.
  • Einheitliche Geltungszeiten: Die Kurzparkzeiten gelten ab März in ganz Wien Montag bis Freitag von 9 bis 22 Uhr für maximal zwei Stunden.
  • Gleiche Kosten: Das neue Parkpickerl kostet ab März für alle Wienerinnen und Wiener 10,- Euro pro Monat (exklusive Verwaltungsabgaben).
  • Bestehende Parkpickerl: Vor März 2022 erworbene Parkpickerl gelten weiter bis zum regulären Bewilligungsende und werden auch für die neuen Geltungszeiten und Zonen anerkennt.
  • AnrainerInnenparken: Auf bis zu 30 % der Parkfläche möglich, gilt auch an Wochenenden und ist extra beschildert.
  • Einkaufsstraßen: Sonderregelungen, die Parkdauer mit Parkschein oder Parkpickerl (Parkuhr einlegen) maximal: 1,5 Stunden, Bereich und Zeiten werden ausgeschildert.

Zur Geschichte der Parkraumbewirtschaftung in Wien – Erfolgreicher Weg wird nun zu Ende gegangen.
1959 wurden in Wien erstmals Kurzparkzonen im 1. Bezirk eingerichtet.

  • Juli 1993: Das Parkpickerl für den 1. Bezirk wird eingeführt
  • August 1995: Ausdehnung der Parkraumbewirtschaftung flächendeckend auf die Bezirke 6 bis 9
  • Juni 1997: Weitere Ausdehnung der Parkraumbewirtschaftung auf den 4. und 5. Bezirk
  • März 1999: Erweiterung der Parkraumbewirtschaftung um die Bezirke 2 und 20
  • November 1999: Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung auf den 3. Bezirk
  • September 2005: Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung als Pilotprojekt auf den Bereich Stadthalle im 15. Bezirk
  • Oktober 2012: Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung in Teilen der Bezirke 12, 14, 16 und 17 sowie im gesamten 15. Bezirk
  • Jänner 2013: Überarbeitung und Erweiterung der Zonengrenzen für die Bezirke 14, 16 und 17 auf Wunsch der Bezirke, da „Fleckerlteppich“ negative Folgen hatte
  • 5. September 2016: Parkraumbewirtschaftung im 18. Bezirk
  • September 2017: Parkraumbewirtschaftung im 10. Bezirk
  • November 2018: Parkraumbewirtschaftung im Simmeringer Zentrum, „Zweiteilung“ des Bezirks mit negativen Auswirkungen
  • Juli 2019: Parkraumbewirtschaftung im 19. Bezirk
  • März 2022: flächendeckendes Parkpickerl für ganz Wien: Parkpickerl für ganz Simmering, für Liesing, Hietzing, die Donaustadt und Floridsdorf.

Rückfragen & Kontakt:
Anita Voraberger
Mediensprecherin StRin Ulli Sima
Telefon: 01 4000-81353
E-Mail: anita.voraberger@wien.gv.at
Ralph Waldhauser
Leitung Kommunikation NEOS Wien Rathausklub
+43 664 849 15 40
ralph.waldhauser@neos.eu

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