Erste Schritte für Ausbau des ÖBB-Terminals Wolfurt

Viele namhafte Unternehmen aus Vorarlberg sowie Firmen aus dem angrenzenden Bodenseeraum nutzen schon jetzt die Transport- und Logistikangebote der ÖBB Rail Cargo Group (RCG), meist über den Terminal Wolfurt als Vorarlbergs „Tor zur Welt“. Um allerdings die Klimaziele zu erreichen und die Menschen im Land vor den negativen Auswirkungen des Straßenverkehrs zu schützen, braucht es noch mehr Verkehrsverlagerung auf die Schiene.

Der Modal Split Anteil der Schiene (Einfuhr, Ausfuhr und Transit) beträgt in Vorarlberg derzeit rund 12 Prozent. Rund 4 Mio. Tonnen Waren und Rohstoffe werden per Bahn befördert. Die ÖBB Rail Cargo wickelt davon rund 3 Mio. Tonnen ab. Dem gegenüber stehen 28 Mio. Tonnen, die noch auf der Straße befördert werden.

Andreas Matthä betonte gestern bei einem Treffen mit Vorarlbergs Mobilitätslandesrat Daniel Zadra:„Die Auswirkungen des Klimawandels spüren wir alle hautnah. Die Emissionen aus dem Verkehr sind ein wesentlicher Treiber für den CO2 Ausstoß. Wollen wir den Klimawandel einbremsen, dann müssen wir eine Trendwende im Verkehr schaffen – und insbesondere beim Güterverkehr!“

Voraussetzung für mehr Verlagerung auf die Schiene sind laut Andreas Matthä „faire Wettbewerbsbedingungen zwischen Schiene und Straße und transparente Kostenwahrheit im Verkehr.“ So würde etwa beim Bahntransport für jeden Meter Schiene Maut anfallen – auf der Straße aber nicht.

Ein weiteres Beispiel für die Wettbewerbsverzerrung sei die gratis Straßenanbindung für jeden Firmenstandort – wohingegen die Schienenanbindung vom Unternehmen zu bezahlen sei. „Klar ist aber auch: Die Schiene muss ihr Angebot weiter verbessern und stärker auf die Bedürfnisse der Unternehmen eingehen. Daran arbeitet die ÖBB Rail Cargo Group intensiv und dafür suchen wir auch den Dialog mit den Unternehmen in Vorarlberg“, so Andreas Matthä.

„Wir müssen alles daransetzen, um den Schienenanteil am Güterverkehr zu erhöhen“, appelliert Landesrat Daniel Zadra, „Im Sinne des Umwelt- und Klimaschutzes ist es höchste Zeit, über die externen Kosten zu reden, die der Straßengüterverkehr verursacht. Wir tun ja immer so, als sei dieser unschlagbar billig, und deshalb könne man – leider, leider – nichts dagegen machen, ohne die heilige Kuh des Marktes zu schlachten.“

Die ÖBB Rail Cargo möchte in den kommenden Jahren verstärkt mittelständische Kunden ansprechen, die oft keine ganzen Züge benötigen, sondern kleinere Sendungsgrößen haben – beispielsweise nur einen Container oder eine Wagengruppe brauchen. Für sie stehen jetzt integrierte Tür-zu-Tür Lösungen bereit..

Dies kann sowohl mit Containerlösungen mit Umschlag am Güterterminal Wolfurt passieren oder auch als konventioneller Transport mit Bahnlogistik auf der Langstrecke und einem Lkw im Vor- und Nachlauf. Der Kunde muss dabei nicht zwingend einen eigenen Bahnanschluss haben, sondern kann auch durch innovative Behälterlösungen in einer Kombination mit Lkw und Bahn bedient werden.

Angesichts der erfreulich guten Nutzung des Güterterminals in Wolfurt werden bereits erste Schritte in Richtung Erweiterung gesetzt. Dazu arbeiten die ÖBB als Terminalbetreiber einerseits an Prozessoptimierungen um zusätzliche Spielräume zu schaffen und andererseits an einer Kapazitätssteigerung über eine Erweiterung der Terminalfläche. Darauf soll vor allem Umschlagsmöglichkeiten für kranbare Sattelauflieger geschaffen werden, da in diesem Bereich die größten Wachstumschancen gesehen werden.

Aktuell bietet der Terminal Wolfurt 1.700 Vollcontainerlager-Stellplätze im unmittelbaren Kranbereich sowie 3.500 Leercontainerlager-Stellplätze. Die Gesamtfläche beträgt 106.000 m². Hierauf werden rund 40 Züge und circa 200 bis 240 Lkw pro Tag abgefertigt. Für das Jahr 2022 gibt es bereits Anfragen für weitere Züge. Bei einer Jahreskapazität von 190.000 ITE (intermodale Transporteinheiten) liegt die derzeitige Auslastung bei 140.000 ITE oder 75 Prozent.

Ein breites Feld, in dem eine Umstellung von Straßen- auf Bahntransport erstrebenswert und sinnvoll ist, ist die Versorgung mit mineralischen Baurohstoffen, vor allem Schotter und Erde. Das betrifft einerseits die künftige Versorgung Vorarlbergs, vor allem aber auch den Transit von mineralischen Rohstoffen vor allem von Deutschland durch Vorarlberg in die Schweiz.

Aktuell wird der weit überwiegende Teil der jährlich rund 300.000 Tonnen mit Lkw transportiert. Wenn hier ein von allen Partnern getragener Umstieg auf die Bahn gelingt, kann ein guter Teil der derzeit 20.000 Lkw Fahrten (hin und retour) zum Wohl von Bevölkerung und Klima eingespart werden.

Die ÖBB Rail Cargo Group prüft bereits die Umsetzbarkeit von Schienentransporten in diesem Segment. Mit einigen Kunden sind auch bereits dahingehende Logistiklösungen gelungen. Diese hängen allerdings auch an externen Faktoren, insbesondere fairen Wettbewerbsbedingungen in Form einer Kostenwahrheit zwischen Straße und Schiene.

www.oebb.at; www.vorarlberg.at

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